Interviews

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Wer bist Du und was machst Du?

Ich heiße Hendrik Schriefer und studiere Psychologie in München. Mein Herz schlägt für die Projekte junger Unternehmer, die mit ihren Taten einen Beitrag zur Verbesserung des Miteinanders anderer Menschen leisten. Beim studentischen Ingenieurdienstleister Motius (www.motius.de), den ich mitbegründet habe, leite ich die Personalabteilung. Unsere Spezialität besteht im „Remote Engineering“. Wir bearbeiten die technischen Projekte unserer Kunden und Partner aus Deutschland und der arabischen Region mit interdisziplinären Projektteams aus Studenten der besten europäischen Universitäten – speziell der TU München. Wir sind dadurch schneller und flexibler als viele andere Anbieter und bieten das wahrscheinlich beste Preisleistungsverhältnis ;-).

Nebenbei koordiniere ich das Orga-Team von SUN. Ich hoffe, dass es mir nun keiner übel nimmt, Motius an so prominenter Stelle zu präsentieren.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Unsere Geschichte beginnt in Maskat im Oman. Unser Gründungsmitglied Zièd ist dort aufgewachsen. Jetzt studiert er Maschinenbau in München. Jedes Mal, wenn er seine Familie in Maskat besucht, bietet man ihm Projekte an, die er von München aus bearbeiten sollte. Das liegt daran, dass die omansichen Studenten nicht die gleiche Leistung bringen, wie deutsche Ingenieure. Warum also nicht groß denken und gleich viel mehr und größere Projekte hier in Deutschland bearbeiten lassen? Made in Germany ist ein Erfolgsprädikat, wenn es um Technik geht. Ein Pool aus 170 Studierenden + Fachkräftemangel in Deutschland… und schon waren wir auch in unserem Heimatland aktiv. Dabei ist es unsere Mission, die persönliche Entwicklung unserer jungen Mitarbeiter zu unterstützen und ihre Ziele mit denen unserer internationalen Partner auf einen Nenner zu bringen. Bei uns machst du Karriere und genießt dabei die Sicherheit eines „professionelleren Unternehmens“ mit der Flexibilität eines Startups. Du bist also kein gewöhnlicher Praktikant oder Werkstudent, du bist ein „Remote Engineer“.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher
gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Unser Team wird durch das unternehmerische Stipendium „Manage&More“ der UnternehmerTUM unterstützt. Durch die Arbeit an Industrieprojekten bei Manage&More sind wir gute Freunde geworden. Auf den Dächern von McKinsey haben wir dann unsere Ideen ausgetauscht: 2 Maschinenbauer, das sind Zièd und Michi, treffen auf einen Ex-Headhunter, das bin ich. Dazu kommt mit Philipp ein Top-ITler, der bei den Testbirds „gelernt“ hat und heute unsere Infrastruktur aufbaut. Und da ein so großer Pool sich nur mit einem großen Team betreuen lässt, übernimmt Dani als zweiter Geschäftsführer und Investment-Experte unsere gesamte finanzielle und rechtliche Organisation. Heute – 3 Monate nach der offiziellen Gründung – haben wir 2 Praktikanten und 5 freie Vertreiber im Team.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders
als alle anderen?

Wenn es um das Thema USP geht, sprechen wir gerne von unserem „Unfair Advantage“: Nicht zuletzt durch SUN haben wir Zugang zu den besten und leistungsfähigsten Studenten. Unsere Zusammenarbeit mit der UnternehmerTUM und anderen starken Partnern aus der Münchner Industriebranche sowie in der arabischen Welt versetzt uns in eine einmalige Stellung im Technologiestandort München. Oben drauf sind wir durch unser standortunabhäniges „remote Konzept“ in der Lage, zeitlich flexibel und sehr günstig zu arbeiten. Unseren Mitarbeitern nehmen wir jegliche administrative Arbeit ab und tragen mit unserer Qualitätssicherung ihr Risiko, sodass sie sich auf das Wesentliche – ihre Projekte – konzentrieren können. Daneben haben wir für sie ein spannendes Freizeitangebot zusammengeschnürt, das u.a. von der Uni anerkannte Workshops umfasst, für die sie ECTS-Credits erhalten.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Halten wir es knapp: Wir sind keine Vermittlung! Das Projekt kommt vom Kunden an uns, wir stellen mit unserem Projektleiter ein auf das Projekt zugeschnittenes Team aus unserem Pool zusammen und schicken das Ergebnis geprüft wieder zurück. Wie erwähnt, übernehmen wir die gesamte administrative Arbeit und tragen das Risiko – die Differenz zwischen Projektumsatz und Kosten geht an uns ;-).

Was den Markt angeht stehen wir derzeit auf der Schwelle einiger Türen zu aufregenden neuen Wegen: Franchisemodelle in Recruiting und Vertrieb sowie Kooperationen mit arabischen Regierungen lassen unsere Zukunft zumindest rechnerisch auf dem Papier rosig aussehen – wir wissen jedoch, dass hierfür viel harte Arbeit nötig ist.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

In deiner fünften Frage habe ich über die Differenz zwischen Projektumsatz und Kosten gesprochen… Das ist es so ziemlich. Wir lassen uns ungern in unsere Ideen reinreden, solange das nicht zwingend nötig ist und bisher war es das nicht.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Ein kostenloses Büro wäre ganz nett. Interessierte Mitarbeiter bewerben sich am besten auf unseren Pool (www.motius.de/student/register). Wer Kontakte zu potentiellen Kunden oder Mitarbeitern hat, kann sich gerne per Mail (hendrik@motius.de) an mich wenden. Wenn sich daraus was ergibt, winkt auch eine ordentliche Belohnung.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Leute wie dich und alle anderen SUNler, die etwas unternehmen wollen und fest daran glauben, mit ihren Vorhaben unsere Welt zu verbessern. Menschen, die es mit den ganz großen Aufnehmen und dabei realistisch bleiben.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-
Branche gerne mit an den Tisch holen?

Natürlich alle SUNler und dann gibt’s die Gründer-Maß umsonst. Ehrlich gesagt wären vor allem die alten Hasen sehr spannend, also keine fancy Starter, sondern diejenigen, die uns andere Perspektiven aufzeigen, die unsere Vergangenheit noch erlebt haben und die Zukunft mit viel Weisheit sehen. Während die Visionen anderer junger Startups die Basis für unseren Kampfgeist bilden, können wir vor allem von Professoren und großen Unternehmern oder auch Politikern etwas lernen.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Schau’n ma‘ mal. Vielleicht in der Zeitung, bisher machen wir nicht so viel PR und hoffentlich kommt das dann von selbst ;-).

Auf welchen StartUp-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du
empfehlen?

Das beste Event ist wahrscheinlich, wenn du uns persönlich in München besuchst. Wir stehen nicht darauf, die Pitch-Wettbewerbe des Landes abzureisen. SUN-Day am 19. ist Pflicht, klar. Sonst sind wir vereinzelt schon mal bei der Spätschicht oder der Startup-Night dabei. Dann aber, um die Ideen der anderen anzuhören. Sicherlich einen Blick wert ist unser eigener Blog www.remote-engineering.de. Dabei geht es weniger um die Entwicklung unserer Firma, als um Themen, die mit unserem Geschäft zu tun haben und uns gleichzeitig persönlich interessieren. Ich selbst bin großer Gründerszene-Fan und würde außerdem, wenn ich nicht so lesefaul wäre, zum Frühstück sicherlich den ein oder anderen Zeit-Artikel vernaschen. Schließlich muss es nicht immer um’s „Business“ gehen.

Was ist Deine Meinung zu dem SUN Projekt?

Kennst du dieses Gefühl, wenn du nach einer Sekunde keinen Bock mehr auf Smalltalk hast? Und das nicht, weil dein Gesprächspartner so langweilig ist, sondern weil du die ganzen spannenden Geschichten hören willst, die er erlebt hat? So geht es mir bei jedem SUN-Day und jedem Treffen mit dem Orga-Team. Bei SUN geht es um die Menschen, wir sind schließlich ein Netzwerk. Und die Menschen stimmen. Alle machen so viele verschiedene Dinge, die Motivation dabei ist allerdings dieselbe: Nicht Geld machen, sondern Veränderung schaffen. SUN bringt diese Menschen zusammen und fördert ihren Austausch. Ich bin überzeugt, dass einige SUNler nun gemeinsam neue spannende Geschichten erleben werden.

Offen gesagt bereiten mir die Lokalgruppen noch ein wenig Sorge. Irgendwie ist der Funke von der großen Sonne aus 250 Mitgliedern noch nicht ganz auf alle übergesprungen. Ich glaube, das liegt daran, dass einige Gründer uns noch nicht kennen. Ich freue mich, sie bald alle kennenzulernen!

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Joel Kaczmarek und ich bin seit ein paar Tagen als Herausgeber von Gründerszene, einem Onlinemagazin zum Thema Digitalwirtschaft, tätig, nachdem ich das Magazin zuvor vier Jahre als Teil eines Teams in der Rolle des Chefredakteurs mit aufgebaut und den dahinterstehenden Verlag Vertical Media mit ins Leben gerufen habe. Als Herausgeber habe ich vor allem eine repräsentative Funktion und unterstütze das Team, indem ich den Dialog in der Szene mit führe und anhand von eigenen Beiträgen wichtige Themenakzente setze.

Seid ihr ein Magazin oder ein Blog?

Das ist insofern eine lustige Frage, als dass wir früher wohl ein Blog waren aber eigentlich immer ein Magazin sein wollten. Mittlerweile sind wir das auch, also wir haben unsere Ausgangsposition als Blog glaube ich sehr deutlich umgewandelt und treten nun als Magazin auf.

Wie ist Gründerszene entstanden?

Gründerszene begann als das private Blogprojekt von Lukasz Gadowski, dem Gründer von Spreadshirt. Lukasz pflegte sozusagen „von der Szene für die Szene“ zu schreiben und mit der Zeit wuchs das Team immer mal wieder an und schrumpfte wieder. Also Gründerszene war lange ein Hobbyprojekt und mit der Zeit kamen auch andere Unternehmer und leiteten dessen Geschicke. Ich stieß im März 2009 dazu, als der Blog gerade ein gewisses Grundrauschen an Bekanntheit hatte und ohne Hauptverantwortlichen war. An mir war es anschließend, den Hobbyblog zu einem professionellen Magazin zu transformieren. Es bildete sich ein Team, das aus dem einstigen Hobbyprojekt ein richtiges Unternehmen formte. Ich habe durch meine Chefredakteurs-Rolle sicher immer eine hohe Sichtbarkeit gehabt, de facto war es aber ein ganzes Team aus jungen motivierten Leuten, das Gründerszene zu einer Unternehmung ausgebaut hat, wobei auch Lukasz und sein Inkubator Team Europe sehr aktiv unterstützten.

Wie werdet ihr von den Startups wahrgenommen?

Ich glaube Startups schätzen uns für unsere zeitnahe Berichterstattung und dafür, dass wir der Szene in gewisser Weise ein Gesicht geben. Wir haben uns in der Vergangenheit einen Namen als kritisches und investigatives Magazin gemacht und dort gilt es meinem Gefühl nach, wieder etwas mehr anzuknüpfen. Zweifelsohne gab es aber auch oft Diskussionen, ob wir durch die Investoren-Zugehörigkeit von Team Europe neutral genug sein können. Ich denke, dass uns das eigentlich ganz gut gelungen ist, zumindest war es immer unser Anspruch.

Inwieweit stellt Gründerszene ein Leitmedium in der Startup-Welt dar?

Gründerszene erscheint mir schon als eine von wenigen Anlaufstationen, die Startup-Gründer über ihren Tag hinweg ansteuern, um relevante News aus ihrer Branche zu bekommen. So wie Textilwirtschaft in der Modeindustrie gelesen wird oder W&V bei den Werbern, hat Gründerszene die Digitalwirtschaft zum Thema und verfügt dort nach meinem Gefühl über eine gute Abdeckung.

Welche Trends bewegen die Startup Szene gerade?

Ach, solche Fragen fallen mir immer schwer zu beantworten. Ich glaube Mobile hebt als Themenkomplex langsam ab, nachdem dies schon jahrelang prognostiziert wurde. Auch SAAS-Gründungen, also Dienstleistungen, die quasi eher gemietet, denn gekauft werden, gewinnen an Zuwachs – gerade im B2B-Segment. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass das globalere Denken massiv zunimmt und Startups mittlerweile schneller und früher auf zusätzliche Märkte setzen.

Welche Besonderheiten bietet der deutsche Markt für Startups?

In Europa ist Deutschland einer der größten Märkte und blickt auf eine große Kaufkraft. Gleichzeitig verfügt er dennoch über eine gewisse Begrenzung, sodass es sich für manche Startup-Themen empfiehlt, früh global zu denken. Ich habe das Gefühl, dass viele Internet-Themen die breite Maße auch noch nicht durchdrungen haben, also wenn man sich mal die Generationen vor uns anschaut und den Durchschnittsbürger allgemein, scheint Deutschland mir anderen Märkten gegenüber in Sachen Innvovationsfreude hinterher zu hinken. Gerade auch Mobile-Themen haben in Deutschland noch nicht die Durchschlagskraft wie andernorts. Finanzierungsseitig würde ich sagen, dass Deutschland auch die Besonderheit hat, in späteren Phasen, in denen die großen Tickets gelöst werden, kaum über Investoren zu verfügen. Also ab einer bestimmten Kapitalsumme muss sich ein Gründer im Ausland umschauen und das in der Regel eher im außereuropäischen Ausland.

Wie schwer ist es heutzutage für deutsche Startups Venture Capital zu erhalten?

Das ist sicher eine individuelle Frage, aber eigentlich nicht sehr schwer. Die Schwierigkeit liegt oftmals viel eher darin, zum richtigen Zeitpunkt zur richtigen Bewertung die richtige Summe zu erhalten und dafür auch den richtigen Partner auszumachen. Es geht also oftmals eher um Timing und etwas Glück. Daneben stellen auch die späteren Finanzierungen bzw. manchmal die Anschlussfinanzierungen an die erste Finanzierung eine gewisse Herausforderung dar.

In welcher Phase sollte man sich befinden?

Dafür gibt es glaube ich kein Patentrezept. Generell ist es ratsam, bereits erste Fakten in Form von Technologie, Intellectual Property, Firmenentwicklung usw. geschaffen zu haben, da es die eigene Verhandlungsposition immer massiv verbessert, wenn „schon etwas da ist“. Prototypen, erste Kunden oder Umsätze können hier sehr helfen. Jenseits dessen gibt es halt einige Do’s und Don’ts wie überall, aber auch diese sind sehr vielfältig. Man muss auch sagen, dass sich manche Ideen für Venture Capital eignen und manche nicht. VCs sind letztlich immer von skalierbarem Wachstum besessen und wenn ein Modell die Möglichkeit dazu bietet und der Gründer sich damit wohl fühlt, kann über Venture Capital nachgedacht werden.

Was wünschst du dir für den Gründungsstandort Deutschland?

Mehr Fehlerbereitschaft, weil man aus Fehlern viel lernt und ein positiveres Klima, in dem man sich für andere freut und sie unterstützt und ihnen nicht mit Missgunst und Neid begegnet. Die deutsche Nörgelkultur ist anstrengend, auch wenn sie mich manchmal selbst erfasst. Es fühlt sich so an, dass Unternehmer hierzulande teilweise als unschicklich gelten. Oft wird genörgelt oder das Streben nach Erfolg vermeintlich verurteilt.

Manche Beobachter sehen in der umtriebigen Welt der Startups bereits die Gefahr einer erneuten Blase heraufziehen. Inwieweit sind die momentan aufgesetzten Geschäftsmodelle wirklich nachhaltig? Inwieweit ist alles „nur Hype“?

Das Risiko einer Blase im Sinne eines totalen Zusammenbruchs sehe ich nicht, aber es ist durchaus berechtigt, dass vielen Startups ein wertschöpfender Kern fehlt. Ich habe festgestellt, dass oftmals ein umgekehrt proportionales Verhältnis vom Grad an Aufmerksamkeit und dem wirtschaftlichen Erfolg besteht. Erfolgreiche Startups benötigen oft keine PR oder haben keine Zeit dafür. Während viele, die die Werbetrommel rühren, leider keine wirkliche Wertschöpfung darüber hinaus präsentieren. Das mag nicht immer verallgemeinerbar sein, aber gerade in Berlin grassiert schon manchmal ein gewisser Hype, dem es aber an Substanz fehlt. Ein Berlin-spezifisches Problem ist dies aber nicht unbedingt. Ich hoffe dennoch dies ändert sich mit der Zeit – gerade technologiegetriebenere Gründungen wären wünschenswert.

Du wirst bald als Chefredakteur abtreten. Wie geht es für dich nun weiter?

Nach vier Jahren als Chefredakteur von Gründerszene war für mich einfach der Zeitpunkt gekommen, etwas Neues zu machen. Ich habe sehr vieles gesehen, ein breites Kontaktnetzwerk aufgebaut und hatte das Glück, auch sehr viel zu lernen. Derzeit sitze ich an einem Buchprojekt, das mir viel Vergnügen bereitet und nach dessen Abschluss im Sommer werde ich mir eine neue Beschäftigung suchen, bei der ich meine Erfahrungen anbringen kann und neue Einsichten erhalte. Unterschiedliche Gespräche dafür laufen schon und grundsätzlich werde ich der Szene erhalten bleiben. Ansonsten kann man mir unter www.indivijoel.de folgen, dort halte ich die Szene darüber auf dem Laufenden, was mich bewegt und teile meine Gedanken.

Was ist deine Meinung zu dem SUN Projekt?

Ich muss gestehen, dass ich das Projekt nicht kannte, aber die Vernetzung von jungen Menschen – gerade aus der Uni heraus – mit der Szene halte ich für sinnvoll. Und erfahrungsgemäß führt gerade der aktive Austausch mit anderen zu guten Ergebnissen. Events können hier sicherlich ein guter Weg sein. Von daher drücke ich die Daumen.

Vielen Dank Joel für das Interview.

Das Interview führte Jean-David Herld.

Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Michael Münnix, ich bin seit 2011 als Associate bei der deutschen Venture Capital Gesellschaft Target Partners. Davor war ich seit 1997 unternehmerisch in der IT Welt unterwegs, als Freelancer, bei unterschiedlichen Startups und mit einigen eigenen Projekten. Inhaltlich war alles zwischen Software-Entwicklung, Produkt-Entwicklung und Business-Development dabei. Die längste Zeit habe ich dabei bei Orimos verbracht, einem Berliner Startup, in dem wir finanzmathematische Software für Banken entwickelt haben. Im Jahr 2008 wurden wir von der ION Trading Group übernommen. Vom Hintergrund bin ich eigentlich Physiker, habe in Berlin Bauteile für die Quantencryptographie entwickelt und anschließend in theoretischer Physik promoviert. Dabei war ich Stipendiat der Studienstiftung sowie des Fulbright-Programms und bin nun auch Mitglied des SUN-Netzwerks.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Target Partners gibt es seit 1999. Über zwei Fondgenerationen verwalten wir insgesamt 225 Millionen Euro. Wir sind ein kleines Team von vier Partnern und zwei Associates, ergänzt durch einige Venture-Partner mit spezieller Sektor-Expertise. Typischerweise investieren wir in der Frühphase (Series A), machen aber auch Seed und Later-Stage Investments. In der Frühphase investieren wir in der Regel zwischen einer und drei Millionen Euro; in der gesamten Zeit, in der wir das Unternehmen begleiten, ca. drei bis acht Millionen Euro, es gibt aber auch einige Ausreißer nach oben. Wir haben großes Interesse an Themen, die stark technologiegetrieben sind, weil fast alle von uns aus Technologie-Industrien kommen, wir dort also den Schwerpunkt unseres Netzwerk und unseres Erfahrungsschatzes haben. Inhaltlich ist das Feld sehr weit gestreut – um ein paar Beispiele aus unserem Portfolio zu nennen: JouleX – Energy Management für Rechenzentren (gerade übernommen von Cisco), doo – Persönliches Document-Management, Theva – Hochtemperatur-Supraleiter und tado° – Intelligente Heizungssteuerung für Singles und Familien. Wir pflegen einen sehr engen, häufig freundschaftlichen Kontakt mit den Gründern in die wir investiert haben und öffnen ihnen unser gesamtes Netzwerk.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Zum einem ist man am Puls der Zeit, was neue Technologien auf unterschiedlichsten Sektoren angeht. Man muss sich ständig in neue Themenfelder hineindenken und erweitert so seinen Horizont. Zum anderen behält man makroökonomische Trends im Blick. Man entwickelt mit der Zeit einfach einen sehr guten Überblick über die weltweite Wirtschafts- und Technologielandschaft. Darüber hinaus hat man mit sehr interessanten Menschen, nämlich Unternehmern zu tun. Ich mag dieses Umfeld sehr.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Ganz klar das Team, wobei eine gute Idee Voraussetzung für eine Finanzierung ist. Die genaue Positionierung eines Startups ändert sich in den ersten Jahren häufig. Das Unternehmen findet mit der Zeit einfach die richtigen Angriffspunkte für einen bestimmten Markt oder ein bestimmtes Problem. Ein gutes Team bekommt das hin, ein unvollständiges Team vielleicht nicht.

Was muss ein Gründer tun, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen?

Besonders wichtig neben Team und Idee sind für uns Marktgröße, Technologiefokus und Markt-Einstiegsbarrieren. Wir investieren sehr selten, nur in etwa 1 Promille aller Unternehmen, die wir uns ansehen. Der mit Abstand häufigste Grund einer negativen Entscheidung ist, dass die adressierbare Marktgröße für uns zu klein ist. Viele Startups, denen wir aus diesem Grund absagen, haben ein valides Geschäftsmodell und häufig glauben wir, dass es für die Gründer ein lukratives Geschäft mit überschaubarem Risiko sein kann. Einem VC-Fond liegt allerdings eine andere Metrik zu Grunde: Wir müssen sehr große Exits erreichen, um eine gute Rendite auf Basis des Fonds zu erwirtschaften. Daher investieren wir nur in Startups, wenn wir glauben, dass sie sehr stark wachsen können und gehen dadurch stärker ins Risiko.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Das kommt stark auf die Phase des Unternehmens sowie das Segment in dem es tätig ist an. Viele Technologie-Exits finden statt bevor der erste Umsatz fließt. Bei E-Commerce Exits sind die Unternehmen in der Regel hingegen deutlich profitabler. Ich denke man sollte als Gründer die Strategie zu Monetisierung immer im Hinterkopf behalten und sie oft hinterfragen. In den ersten Jahren ist Wachstum aber deutlich wichtiger. Genau dieses Wachstum, das vor der Profitabilität stattfindet finanziert ein VC.

Welches sind die Top 3 Anfängerfehler von StartUps in Deutschland?

  • 1.) Meiner Meinung nach werden häufig Themen, die außerhalb des eigenen Fachgebiets liegen vernachlässigt. Als klassisches Beispiel, ist ein Ingenieurs-Startup zu nennen, das keinen besonderen Wert auf Marketing legt. Startups, die sehr stark analytisch getrieben sind mangelt es häufig an Mut zur Innovation. Ich glaube es ist daher sehr wichtig ein heterogenes Team zu haben, das sich gegenseitig ergänzt.
  • 2.) Viele Startups konzentrieren sich bei der Ideenfindung stark auf die Identifizierung von ungelösten Problemen. Mindestens genauso wichtig ist allerdings die Marktgröße. Andernfalls kann es passieren, dass das Unternehmen nach wenigen Jahren schon schlicht aufgrund von externen Faktoren an die Grenzen des Wachstums stößt. Also: Think Big!
  • 3.) Viele Startups sind von der Idee an konzipiert um sie zu verkaufen. Das kann funktionieren, geschieht aber nicht sehr häufig. Besser ist es meiner Meinung nach auf nachhaltiges Wachstum zu setzen und Assets aufzubauen. Der VC oder evtl. der Exit kommt dann fast von alleine. Ich bin daher ein großer Fan von Bootstrapping in der ersten Phase. Allerdings gibt es auch einige Modelle, die ohne VC von Beginn an nicht funktionieren.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Leider gibt es in Deutschland immer noch zu wenig Venture Capital Investoren, bzw. es ist sehr schwierig Investoren für sich gewinnen zu können. Was Entrepreneurship angeht, sind es meiner Meinung nach Unterschiedliche Mentalitäten. Etwas polarisiert formuliert, ist der Silicon-Valley Unternehmer vom Typ her meistens ein Techie, der sich auf Innovation und Wachstum fokussiert, der deutsche Unternehmer hingegen häufig ein Consultant-Typ, der sich auf KPIs und Profitabilität konzentriert. Beides ist wichtig. Ideal ist eine Mischung aus beidem.

Welche Themen sind für Dich derzeit interessant?

Ich persönlich finde aktuell die Themen Enterprise Storage, Clean-Tech, Banking 2.0, (Really) Big Data und Augmented Reality besonders spannend. Neben solch großen Themenfeldern gibt es aber noch viele Nischenthemen die unheimlich interessant sind. Als Gründer ist es daher keine Pflicht partout auf die großen Trends zu setzten.

Wie stehst du zu Copycats?

Ich persönlich finde sie grauenhaft. Ich denke Sie schaden dem Ruf von Deutschland als Innovations-Standort nachhaltig. Der Anteil der Copycats ist in Deutschland aber in den letzten Jahren zurückgegangen. Aus Investorensicht sieht es allerdings etwas anders aus. Wenn der Proof-of-Concept in einem anderen Land schon erbracht ist, mindert das das Risiko natürlich. Das Gleiche gilt für die Gründer. Zudem gibt es eventuell schon einen Exit-Kanal, nämlich das kopierte Unternehmen.

Auf welchen StartUp-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Ich bin auf vielen Events überall in Deutschland. Wo ich gerade bin poste ich in der Regel auf LinkedIn und auf Target Partners News. An Blogs mag ich aktuell (nicht unbedingt alle mit direktem Startup-Bezug), uxmag, readwrite, makezine, mashable, minimallyminimal und den Klassiker TechCrunch.

Was ist Deine Meinung zu dem SUN Projekt?

Ich finde es großartig! In meiner Zeit als Stipendiat habe ich zwar sehr interessante Menschen kennengelernt, der Austausch war aber meist akademischer und nur sehr selten unternehmerischer Natur. Dabei gibt es meiner Meinung nach bei den Netzwerken der Förderwerke unheimlich großes Potential für Startups! SUN bündelt und kanalisiert dieses Potential und darüber freue ich mich sehr!

Vielen Dank Herr Dr. Münnix für das Interview.

Das Interview führte Jean-David Herld.

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Holger Sprengel, Deutscher mit Wohnsitz im wundervollen Barcelona und Gründer von den Inkubatoren HS3 und H2Aventures. Im Jahr 2006 bin ich nach dem Verkauf meiner Firma plan_b media AG in Köln nach Barcelona gezogen, um mich weiter unternehmerisch zu betätigen.

Was kannst du uns zu HS3 erzählen. Wie viele Firmen habt ihr bisher unterstützt, wo liegt euer Fokus etc.

HS3 haben wir im Jahre 2006 gegründet, sowie im Jahre 2010 H2AVentures mit einem argentinischen Partner, der in Buenos Aires unser Büro leitet. Grupo HS3 ist in verschiedenen Sektoren aktiv, H2AVentures ist fokussiert auf digitale Projekte.

Warum habt ihr euren Firmensitz in Barcelona, Spanien?

Barcelona war schon immer unsere europäische Lieblingsstadt, wo es einfach Spaß macht zu leben und zu arbeiten. Als mein Bruder von Bertelsmann hierhin geschickt wurde, war es eine glückliche Fügung.

Was macht dir mehr Spaß? Die Operative oder das Verwalten der Firmen aus dem Hintergrund?

Die operative Gestaltung und die Tätigkeit an sich macht mehr Spaß, aber kostet auch viel Energie und ist nur eingeschränkt bei mehreren Firmen umsetzbar.

Hattest du schon einmal eine Situation bei der du dachtest: Das Team ist super, die Idee so mittel und ihr das Team trotzdem unterstützt habt? Eventuell auch umgekehrt?

Ja, das kommt immer vor. Eine 100 % perfekte Kombination gibt es nie. Ein super Team ist wichtiger als alles andere, denn auch an einer guten Idee muss immer gearbeitet werden.

Auf welchen Märkten seid ihr aktiv?

Grundsätzlich weltweit, so etwa mit unserem Mobile Games Startup Nurogames und unserer Dating-Plattform IQ Elite. Allerdings haben wir einen Fokus auf Spanien und Lateinamerika. Dies betrifft insbesondere die Acceleration-Projekte, mit denen wir andere Startups bei der Expansion in diese Territorien mit der Übernahme unternehmerischer Risiken und gegen ein Upside (Equity oder guten Revenue Share) unterstützen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Deutschen und dem Spanischen bzw. dem Südamerikanischen Markt?

Der spanische, aber vor allem der südamerikanische Markt ist wesentlich weniger reif und sehr viel dynamischer mit mehr Chancen und weniger Wettbewerb – aber auch derzeit mehr Risiken und Unbestimmtheiten.

Habt ihr jemals ein Startup in den USA unterstützt? Wenn nein, warum nicht?

Nein, bislang noch nicht. Der Wettbewerb ist hart und die Möglichkeit für US Startups, dort Kapital aufzunehmen, ist nicht so schwierig wie in Europa.

Welchen Trend siehst du derzeit in der Startup Branche? Ist er nachhaltig?

Es gibt bereits sehr gefestigte Bereiche, wie eCommerce, wo es für Startups schwierig ist, Fuss zu fassen. Allerdings gibt es noch viele „disruptive“ Bereiche, wo es viel Neuland und viele Chancen gibt. Mobile ist immer noch „hot“ und 3D Printing wird immer interessanter.

Welchen Tipp kannst du Gründern auf den Weg geben?

Persistence, persistence, persistence!

Wie informierst du dich selbst über die Start-Up Szene?

Einschlägige Newsletter, wie Gründerszene, Techcrunch, Venturebeat…weiterhin versuche ich, regelmäßig an Konferenzen und Kongressen teilzunehmen, wo es insbesondere über den persönlichen Austausch mit Gleichgesinnnten geht.

Was ist Deine Meinung zu dem SUN Projekt?

Eine klasse Initiative, der es bestimmt gelingen wird, eine nachhaltige Community mit Top-Leuten zu generieren.

Vielen Dank Herr Dr. Sprengel für das Interview.

Das Interview führte Kai Niehues

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